Washington reagierte mit der Einstellung der Hilfeleistungen an Nordkorea, kümmerte sich sonst jedoch nicht weiter um diese Problematik, da nach dem Anschlag vom 11. September 2001 der bevor stehende Afghanistan- und später der Irakkrieg alle Aufmerksamkeit auf sich zog.
In Folge des 11. Septembers trat der Krieg an die Stelle der Diplomatie und die Atombombe wurde wieder zu einem wesentlichen Druckmittel und Sicherheitsfaktor in der Politik. Das amerikanische Vorgehen hat gezeigt, dass der Besitz von nuklearer Technik einen militärischen Einsatz aus Schutzgründen geringer werden lässt und nach der Einordnung Nordkoreas zur „Achse des Bösen“ zusammen mit dem Irak und dem Iran und der angekündigten Bekämpfung dieser „Schurkenstaaten“ von Seiten der Vereinigten Staaten wappnete sich Nordkorea gegen mögliche Angriffe gegen das eigene Land. Daher fand ein Austritt aus dem Atomwaffensperrvertrag im Januar 2003 statt und die IAEA-Inspektoren wurden des Landes verwiesen, ebenso wurden sämtliche Überwachungskameras aus den Werken und Fabriken entfernt. Die Folge ist, dass es keine unabhängigen Informationen über die nordkoreanische Nuklearrüstung gibt.
Daher kann auch nicht festgestellt werden, in wie weit Kim Jong Il das erworbene Wissen, die Technik, angereichertes Material oder gar fertige Massenvernichtungswaffen verkauft, um seine Diktatur aufrecht zu erhalten. Gerade in Kim Jong Il haben die Vereinten Nationen und besonders die Teilnehmer der „Sechs-Nationen-Gespräche“ (Nord-, Südkorea, China, Russland, Japan, USA) einen Gegenspieler, der es versteht sich perfekt in Szene zu setzen und darüber hinaus genau zu wissen scheint, inwieweit er die USA provozieren kann.
Eine der größten Meisterleistungen von Kim Jong Il besteht darin, dass Nordkorea trotz der Einstellung der US-Hilfeleistungen von seinen angrenzenden Nachbarländern China, Japan und Südkorea mit großzügigen Lebensmit-tellieferungen unterstützt wird, da ein Kollaps im Norden die Menschen in eben diese Nachbarländer schwemmen würde, die die vielen Flüchtlinge nicht mit versorgen könnten. Ebenso kommen 80 Prozent aller Konsumgüter aus der Volksrepublik China; womit eine minimale Basisversorgung aufrecht gehalten wird.
Das einzige, was problemlos funktioniert ist die Armee, die 1,1 Millionen Menschen unter Waffen hält und diese stellt zugleich den größten Arbeitgeber dar, in Form von Rüstungsprogram-men, Forschung und dem Heer an sich.
Zudem kann es sich Nordkorea leisten das ursprünglich für September 2004 geplante Treffen der „Sechs- Nationen-Gesprächsrunde“ abzusagen ohne eine Abmahnung einer der Gesprächspartner zu fürchten. Seit 2005 führt Pjöngjang keine Gespräche mehr bezüglich seines Atomprogramms und vertritt hartnäckig den Standpunkt, dass sie dasselbe Recht auf Atombomben wie die USA haben und auch dasselbe Recht auf mögliche Präventivkriege.
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